"Blitzkarriere" für die Marke Opel?
In einem Forum der Absatzwirtschaft wird dieser Tage heftig über die zukünftige Ausrichtung der Marke Opel diskutiert. Nachdem man in der Presse nur noch über die Kosten der staatlich subventionierten Restrukturierung liest, wird oft vergessen, dass Opel nur dann wieder zu einem Marktanteilszuwachs kommen wird, wenn es gelingt, die Marke zu revitalisieren.
Der bemerkenswerte Beitrag von Manfred Gotta erteilt allen, die das Image der Marke mit einem neuen Namen überdecken wollen, eine klare Absage. Ebenso bemerkenswert ist der Vorschlag, der Marke ein "markenfokussiertes Leadprodukt zu verordnen, siehe Beitrag von Michael Brandtner. Karsten Kilian hingegen schlägt vor, die Positionierung der Marke Opel gänzlich auf die Zielgruppe Familie auszurichten, siehe Beitrag "Opels zweite Blitzkarriere".
Letztere Verlautbarung hat mich dazu veranlasst, folgenden Kommentar zu posten:
Wenn das so einfach wäre. Eine coole Family-Positionierung... selbstverständlich durch Produktfunktionalitäten begründet... und schon läuft der Laden. Ich bin überzeugt, dass die Familie als Identifikations-Anker in unserer Gesellschaft (leider) nicht mehr attraktiv ist. Eine Familie ist ein Zusammenschluss von Individuen, die zwar in gegenseitiger existenzieller Abhängigkeit stehen, manchmal noch zusammen essen oder fernsehen, ansonsten aber ihren individuellen Interessen folgen und in unterschiedlichen "Bedürfnis- und Wunschwelten" leben. Dies beginnt bei den Kindern, setzt sich bei den Vätern fort und auch die Mutter definiert sich nicht mehr ausschließlich in ihrer familiären Rolle. Soviel zur psychosozialen Problematik. Das Kaufmotiv für ein Auto begründet sich nur zu einem kleinen Teil in funktionalen Aspekten. Insbesondere in Deutschland dient das Vehikel immer noch als Mittel zur Persönlichkeitserweiterung. Marke, Modell, Ausstattung, Farbe... all das sind Botschaften an die Mitmenschen. Der anthrazitfarbene Golf mit Minimalausstattung ist ebenso ein persönliches Signal wie das schwarze 911er Cabrio: "Ich will nicht auffallen, ich bin vernunftbegabt...", so die Golf-Aussage. Der Porsche sendet: "Seht her, ich bin cool und erfolgreich". Was sendet Opel? Leider fallen den Menschen dabei eine Menge negativer Assoziationen ein, die allesamt dazu geeignet sind, die Reputation seines Besitzers zu diskreditieren. Dies war mal in anderen Epochen anders. Ich hatte selbst das Vergnügen, 16 Jahre für die Marke Opel in der Kommunikation tätig zu sein. Wer erinnert sich nicht gerne an die Ära mit dem wunderschönen Werbespot "What a wonderful world"? Der Marktanteil lag bei ca. 16 %. Aktuell ist er fast halbiert!!! Meine tiefe Überzeugung ist, dass es mit reinen Positionierungskorrekturen, die Opel in den letzten Jahren alle 24 Monate vorgenommen hat, nicht funktionieren kann. Was helfen wird, ist ein radikaler Wandel im Design, denn die Technik war bei Opel schon immer wettbewerbsfähig. Im Design hat Opel leider zu viel amerikanischen Einfluss zugelassen, vor allem es aber an Design-Kontinuität zwischen den Modellwechseln vermissen lassen. Auch die Modell-Namen wirken gekünstelt, veraltet, wie gewollt und nicht gekonnt. Die aktuellen Namen erinnern mich immer noch an Opel Kadett, Kapität etc. Dem Markenschutzrecht und den Namensentwicklern hat man die aktuellen Kunstnamen wie Insignia, Meriva und andere Grausamkeiten zu verdanken. Wie souverän wirken dagegen die Typenkennzeichnungen "3er BMW" oder "Audi A5", um nur 2 Beispiele zu nennen. Zusätzlich bedarf aus meiner Sicht es wieder der einen oder anderen mutigen Produkt-Ikone, wie dies in früheren Jahren der Fall war: "Opel GT ... nur Fliegen ist schöner." - was keinesfalls heißen soll, das Glück in der Historie zu suchen. Dennoch kann es ein Teil des Erfolges sein, verschüttete Markenmythen zu heben und zeitgemäß zu interpretieren, siehe BMW Mini. Fazit: Glück und Erfolg von Opel werden sich am Ende in der Ausstrahlung der Produkte begründen. Die neue Positionierung leistet dabei lediglich noch die "Übersetzungsarbeit" für die Kunden.